Tuesday 13. November 2018

Pastorales Forum
wissenschaftliche Erforschung der religiös-kirchlichen Lage in den ehedem kommunistischen Staaten Ost- und Mitteleuropas.
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Nur auf einem Friedhof ist es wirklich friedlich.

WIEN. Angesichts der hohen Austrittszahlen rät der Pastoraltheologe Paul Zulehner der katholischen Kirche, nicht nur Irritationen zu vermeiden: Die Kirche müsse sich mehr den Menschen zuwenden.
OÖN: Sind die hohen Austrittszahlen die Quittung für die Eklats 2009?

Zulehner: Einerseits ist Religion heute nicht mehr Schicksal, sondern eine persönliche Wahl. Viele Menschen sehen Schwierigkeiten zwischen der modernen Welt und der vormodernen Kirche und ziehen sich zurück. Die Kirche wird in Österreich wie in vielen anderen Ländern Mitglieder verlieren. Das ist unvermeidlich. Andererseits: Weil die Leute im religiösen Bereich kritisch geworden sind, sind sie empfindlicher gegenüber Irritationen. Der sprunghafte Anstieg der Austrittszahlen in einzelnen Diözesen geht sicher auf innerkirchliche Unglücksfälle zurück.

OÖN: Das bedeutet: Die Gründe liegen tiefer, aber die Anlässe für den Austritt sind diese „Unglücksfälle“? Zulehner: Das ist ein erster Teil der Analyse. Eine Studie über Kirchenaustritte hat auf eine Balance zwischen Irritation und Gratifikation hingewiesen. Wer sehr viel durch seine Kirchenmitgliedschaft gewinnt, erträgt auch mehr. Ich persönlich leide auch unter diesen Schwierigkeiten. Aber ich erlebe starke Bindungskräfte an die Kirche. Deshalb werde ich in der Kirche eher auftreten als austreten.

OÖN: Die Affäre Wagner war ein regionaler Aufreger. Die Rücknahme der Exkommunikation für die vier Bischöfe der Piusbruderschaft regte weltweit auf. Was hatte mehr Einfluss auf die Austritte?

Zulehner: Das lässt sich schwer auseinandernehmen. Die Leute bei uns sind – Gott sei Dank – „katholisch“. Das heißt, dass sie Weltbürger sind. Wenn es im Vatikan Regierungsprobleme gibt, ist es deshalb wahrscheinlich, dass von dort her auch Irritationen kommen und lokale Verstimmungen verstärken. Papst Benedikt XVI. hat selbst von Problemen im Vatikan gesprochen. Eines ist auch klar: Eine Weihbischofsernennung ist eigentlich keine lokale Angelegenheit, sondern da ist eine römische Verantwortlichkeit mit im Spiel. Zugunsten der Weltkirche würde man sich ein viel besseres Zusammenspiel in der römischen Kurie wünschen. OÖN: Hätte man in Linz das Ausmaß der Konflikte verringern können?

Zulehner: Die Kirchenmitgliedschaft ist bei vielen Menschen in den letzten Jahrzehnten verletzlicher geworden. Deshalb sollte die Kirche längerfristig nicht nur Irritationen vermeiden, sondern auch die Gratifikationen und Bindungskräfte stärken. Es braucht eine Kirche, die mehr als bisher an der Seite der Menschen ist. Aufgrund des Priestermangels und der Errichtung pastoraler Megaräume ist das in den Pfarren aber immer weniger möglich. Darüber hinaus habe ich nicht den Eindruck, dass die pfarrfernen Vertreter der Kirche sehr sensibel sind in Bezug auf die Lasten der modernen Menschen – sei es in den Bereichen Liebe, Ehe, Arbeit, bei Depressionen. Die Leute hätten einen hohen Bedarf nach einer tröstenden und stärkenden Kirche. OÖN: Zuletzt war es in der Diözese Linz ruhig. Doch die Grundspannung zwischen konservativen und progressiven Kräften ist nicht weg. Wie groß ist das Risiko neuer Aufregungen?

Zulehner: Die eigentliche Frage der Diözese Linz heißt nicht: Wie kann man die Spannungen beseitigen. Die Einstellungen der Glaubenden zur modernen Welt sind unterschiedlich. Aber es muss so viele Gemeinsamkeiten geben, dass es auch die Unterschiede geben kann. Es ist die große Aufgabe des Bischofs, als Brückenbauer zu wirken. Wenn er das tut, dann ist die Linzer Polarisierung nicht etwas Schädliches, sondern eine Quelle von Entwicklung und Dynamik. Der einzige Ort, wo es wirklich friedlich ist, ist der Friedhof. Den kann man einer Kirche eigentlich nicht wünschen.

OÖN: Wie sollte Ihrer Meinung nach ein Weihbischof für Linz sein?

Zulehner: Mir scheint, dass ein Weihbischof für die Diözese Linz Sinn macht – aber nicht ein Weihbischof, der wie Bischof Schwarz eher die ruhigen, bedächtigen und konservativen Gruppen vertritt. Es braucht jemanden im Bischofsamt, mit dem sich auch Akademiker, moderne Menschen und spirituell Suchende identifizieren können. Bischof Schwarz müsste die Stärke haben, in Rom zu sagen: Konservativ bin ich schon selber, ich brauche einen Weihbischof, der anders ist. http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/art383,320619
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Für Hans.

Am 8. September  2011 verstarb 77jährig mein Bruder Hans (Johannes Zulehner). Er verbrachte sein Leben mit einer starken Behinderung. Hier die Predigt bei der Bestattung am 24.9.2011 in St. Thomas.

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emerit. Univ Prof. Dr. Dr. Paul M. Zulehner, Kramer-Glöckner-Straße 36, 1130 Wien, Österreich
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