Sunday 21. July 2019

Pastorales Forum
wissenschaftliche Erforschung der religiös-kirchlichen Lage in den ehedem kommunistischen Staaten Ost- und Mitteleuropas.
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Ändern sich die Werte?

Die Kapitalismuskritik wird wachsen - eine USA-Skepsis? Eine höhere Globalisierungsskepsis wegen der Globalisierung des Terrors? Gleichzeitig: Wachstum der Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach gelebtem Zusammenhalt. ... von Paul M. Zulehner/Regina Polak
1. Die Kapitalismuskritik wird wachsen - eine USA-Skepsis? Eine höhere Globalisierungsskepsis wegen der Globalisierung des Terrors? Gleichzeitig: Wachstum der Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach gelebtem Zusammenhalt. Zu beobachten ist ja auch in NY ein wirkliches Zusammenhalten der Menschen. Aber warum machen wir das immer erst, wenn etwas Schreckliches passiert? 2. Zunehmen wird Sicherheitsstreben - damit die Grundhaltung des Autoritarismus, der Wunsch nach dem starken Mann. 3. Insofern wird die Entwicklung widersprüchlicher (Konsistenz war noch nie ein Merkmal des Wertesystems): Kapitalismuskritik weist nach links, autoritärer Fundamentalismus nach rechts.. Die Polarisierungen, die unsere Wertelandschaften charakterisieren, werden sich verschärfen; die jeweiligen Haltungen werden verstärkt: Die Solidarischen werden solidarischer, diejenigen, die "Law and order" wollen, haben eine neue Legitimation. Konfliktmanagement wird wichtiger denn je!!! Und Nachdenken, Diskutieren: Kunst, Philosophie und Religion sind gefragt! Die Welt wächst zusammen und zugleich auseinander: die Grenzen verlaufen eigentlich nicht mehr zwischen Religionen, Staaten, sondern zwischen den unterschiedlichen Gesinnungen: Chance: Die guten Willens sind sollen sich vernetzen! Wichtig dabei: Auch die anderen zu Wort kommen lassen. Frage: Wie kann man Autoritäre und Gewaltfreundliche friedlich stimmen??? 4. Es werden sich zwei "westliche Wertsysteme" herausbilden: das amerikanische und das europäische. Vielleicht mag das europäische mehr vermitteln. Europa kann und soll heute Vermitteln - und kann dadurch ein eigenes Profil entwickeln! Und zugleich sehe ich schon die Möglichkeit, dass die Welt ein Stück zusammenwächst: wenn jetzt viel miteinander gesprochen und nachgedacht wird! Aber das muss "für" etwas sein und nicht primär "gegen". Also: hart mit kreativen Methoden gegen den Terror vorgehen; hier muss die Position klar und eindeutig sein. Aber zugleich daran arbeiten, dass wir Menschen menschlicher werden. Klar sagen: WIR WOLLEN EINE WELT IM FRIEDEN. Auch dass muss eindeutig und klar deutlich werden. 5. Die "Reaktion" auf... (Terror, Gewalt, Fundamentalismus) ist in Gefahr, von der Art dessen zu sein, worauf reagiert wird. Reaktion auf Terror kann terroristisch werden (gilt natürlich als Vergeltung, die gerechtfertigt sei..., die Unschuldige tötet... Gewalt durch Gewalt vergelten ist nur Fortsetzung der Gewalt mit ähnlichen Mitteln). Die große Gefahr ist die "Anpassung" an die "Feinde". 6. Änderungen im Wertsystem bei Katastrophen mittlerer Reichweite. Die daraus wachsende Angst verändert. Es braucht aber eine real erlebte Katastrophe (in Manhatten) und nicht eine gespielte (in Wien mit den Bildern von Manhatten). Denn sonst werden wir noch abgestumpfter! Es muss sich eigentlich sogar etwas ändern, denn wenn jetzt nach diesem Medienhype wieder alles alsbald so weitergeht wie zuvor, ist das - vor allem für die Jüngeren - gefährlich! "Uns kann eh nichts passieren". Die Hornhaut auf den Seelen wird sonst immer dicker. Gespielte Katastrophen erzeugen nicht Angst, sondern Lustangst. Solche Lustangst kann freilich latente Ängste wecken. Die modernen Kulturen sind Angstkulturen mit einem wachsenden Angst- und damit Versicherungspegel. Faszination durch Angst ist gefährlich, weckt die Lust daran: Wie weit kann ich es treiben? Auch die nekrophilen Dimensionen des Lebens sollte man nicht unterschätzen. Daher: Politiker und Medien sind gefordert, diese Ängste ernstzunehmen und durch Information, konkrete und nüchterne Handlungsoptionen Möglichkeiten der Angstbewältigung bereitzustellen. Gratwanderung zwischen: die Ängste schüren einerseits (Medien, die nur Bilder mit wahnsinnigen Moslems zeigen) , verharmlosen andererseits (Rainer, Scharping, auch Bush). Die Gefahr benennen, aber Lösungen suchen und nennen (Schüssel tut das!). Nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren (und ewig dasselbe Bild des WTC senden). 7. Die akute Katastrophe ist medial vermittelt. Also spielen die Medien eine Schlüsselrolle. Medien aber leben von kurzzeitiger Übertreibung und dann raschem Verschwinden. Medien sind nicht nachhaltig. Sie können Ängste schüren, aber nicht verarbeiten. Das geschieht im personbezogenen Dialog. Wo sind die Bilder der vernünftigen Moslems? 8. Verängstigt sind die Älteren (ein "dritter" Weltkrieg ist nur für jene vorstellbar, die den "zweiten" erlebt haben) und die Jüngeren (sie haben nur diffuse Lebensangst angesichts der wachsenden Unübersichtlichkeit und der medial geweckten schon vorher latent vorhandenen Ängste; und bei den Autoritären vielleicht die fatale Neugier: ja, wie wäre das denn?). 9. Religion wird wichtiger werden: ihr Trost. Mit ihr die Frage nach gut und böse. Vielleicht ein paar Gedanken zur apokalyptischen Tradition der Schrift? Warnung, dass es keine Garantie auf ein Happy end gibt - und zugleich Zusage auf letztes Heil und Hoffnung? Was sagen die Religionen zum Thema des Bösen? Denn was da passiert ist, ist böse - nicht durch Armut, psychische Defekte wegzuerklären. Die Männer, die so etwas planen, müssen sehr klug sein! Religionen können dabei helfen, anzuerkennen, dass es das unbegreifliche Böse gibt und wir davor auf der Hut sein müssen. Auch die noch so gut gemeinte Moral ist dagegen machtlos. 10. Die Herausforderung an die Kirchen werden steigen. Denn Religion wird nicht nur die Wahrheit aufdecken, sondern auch Interessen kaschieren. Vor allem aber dient Religion der Vereinfachung. Das führt zu religiösem Fundamentalismus mit all seinen Folgen. Aufgabe der Kirchen/Religionsgemeinschaften ist die Ambivalenz und damit Missbrauchbarkeit religiöser Traditionen aufzudecken und zu Gunsten einer Religion des Friedens und der Menschlichkeit zu bearbeiten.
» Zeitworte

Für Hans.

Am 8. September  2011 verstarb 77jährig mein Bruder Hans (Johannes Zulehner). Er verbrachte sein Leben mit einer starken Behinderung. Hier die Predigt bei der Bestattung am 24.9.2011 in St. Thomas.

» Vorträge

Kremsmünster - Ök. Sommerakademie, 10.7.2019: Kirche als Oasen diffundierenden Vertrauens in Kulturen der Angst [Ton] [Text]

Rosenheim, 4.7.2019: Neue Schläuche für jungen Wein. Wie unsere Pfarrei zukunftsfähig wird. MP4

Maria Alm, 15.6.2019: Hochzeit Angelina und Hannes - Predigt MP3 | PDF

Rom, 28.2.2019: ProPopeFrancis - Bilder und Ton von der Übergabe der Unterschriften | MP4

Wien, 22.6.2016: Gläubig altern - altert der Glaube? MP4

emerit. Univ Prof. Dr. Dr. Paul M. Zulehner, Kramer-Glöckner-Straße 36, 1130 Wien, Österreich
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